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Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Thüringen

Die Thüringer Schulpolitik strebt Bildungslandschaften an, in denen das Prinzip der Vielfalt regiert, das Unterschiede zwischen den Lernenden nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung begreift. Diese Unterschiede gelten zum Beispiel für den sozialen Status der Eltern, die Bildungsnähe oder Bildungsferne des Elternhauses, unterschiedliche Wertvorstellungen in den Milieus und nicht zuletzt für die Herkunft. Um ein fruchtbares Zusammenleben zwischen der Schule und dem Elternhaus von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund sowie zwischen den Lernenden unterschiedlicher Herkunft herzustellen, bedarf es Respekt, Verständnis und Einfühlungsvermögen von beiden Seiten.

Insbesondere die Integration von Kindern von Flüchtlingen stellt das Bildungssystem in Thüringen vor besondere Herausforderungen. So bestehen Hürden bei der Integration durch fehlende Sprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler, die dadurch erschwert wird, dass die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien im zugewiesenen Wohnraum den Spracherwerb beeinträchtigt.

Überdies sind Migranteninnen und Migranten mit prekärem Aufenthaltsstatus einem strengen Zulassungsverfahren für den Arbeitsmarkt unterworfen und die sozialrechtlichen Förderinstrumente werden vom Aufenthaltsstatus abhängig gemacht. Hier muss es Aufgabe der Schule sein, ausgleichend auf diese Benachteiligungen einzuwirken, um zwischen den einzelnen Schülerinnen und Schülern Chancengleichheit herzustellen.

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Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Thüringen

Thüringen ist mit 7,3 % das Bundesland mit dem niedrigsten Anteil an Migrantinnen und Migranten in der Bevölkerung. Die meisten Menschen aus dem Ausland kamen aus Syrien, Polen und Rumänien in den Freistaat. Zugleich ist der Migrationsanteil von allen Bundesländern seit 2012 am stärksten gewachsen, und zwar von 1,8 % auf knapp 5 %.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Thüringer Schulen, der bei 7,7 % liegt, entspricht weitgehend der allgemeinen Migrationsquote von 7,3 %. Dass in Thüringen Nachholbedarf bei der Herstellung von Chancengleichheit bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund vorherrscht, beweist die Tatsache, dass 44 % von ihnen die Schule ohne Abschluss verlassen, während dies bei Schülerinnen und Schülern mit deutschem Pass nur 7,4 % sind.

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Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund nach Schularten

15.231 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund lernen derzeit an Thüringer allgemeinbildenden Schulen. Der Anteil kletterte in den letzten Jahren kontinuierlich auf eine Quote von 7,7 % im Schuljahr 2020/21. 12.760 der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund haben keinen deutschen Pass, während 2.471 einen solchen besitzen.

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Allgemeinbildende Schulen

Die 15.231 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund verteilen sich im Freistaat Thüringen wie folgt auf die einzelnen Schularten der allgemeinbildenden Schulen: 6.367 Schülerinnen und Schüler entfielen auf die Grundschule mit einer Migrationsquote von 9,3 %. Die Regelschule besuchten 3.885 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Dies macht eine Quote von 8,6 %.

1.778 dieser Schülerinnen und Schüler waren an einer Gemeinschaftsschule angemeldet, wo sie einen Anteil von 7,5 % an der Gesamtschülerzahl ausmachten. An den Förderschulen gab es im Schuljahr 2020/21 hingegen nur 361 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, wo die Quote bei insgesamt 5,4 % lag. Die 2.212 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit Migrationshintergrund stellten 4,6 % der Gesamtschülerzahl und die 615 Gesamtschülerinnen und Gesamtschüler 10,7 %.

Berufsbildende Schulen

Mit 9,2 % an Auszubildenden mit Migrationshintergrund ist der Anteil an den berufsbildenden Schulen in Thüringen etwas höher als an den allgemeinbildenden Schulen. Auch hier sind Berufsschülerinnen und Berufsschüler ohne deutschen Pass mit einem Gesamtanteil von 8,3 % gegenüber den Berufsschülerinnen und Berufsschülern mit deutschem Pass (1,0 %) deutlich in der Mehrzahl. Insgesamt wurden im Schuljahr 2020/21 4.513 Berufsschülerinnen und Berufsschüler mit Migrationshintergrund an den Thüringer Berufsschulen ausgebildet.

Diagramm Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund (ABS, in %)

Schuljahre 2015/16 bis 2020/21

Das Diagramm zeigt für jedes Schuljahr von 2015/16 bis 2020/21 den Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an den allgemeinbildenden Schulen an.
Das Diagramm zeigt für jedes Schuljahr von 2015/16 bis 2020/21 den Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an den allgemeinbildenden Schulen an.

Zugeordnet nach Geografie

Von den 19.744 Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund lernen 5.999 in Mittelthüringen, 2.533 in Nordthüringen, 5.239 in Ostthüringen, 2.486 in Südthüringen und 3.487 in Westthüringen.

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Entwicklung des Anteils von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ist in den letzten Jahren im Freistaat Thüringen stark angestiegen. Er verdoppelte sich ungefähr seit dem Schuljahr 2015/16 von 7.789 Schülerinnen und Schülern auf 15.231. Dabei verläuft diese Entwicklung zwischen den Gruppen der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund mit und ohne deutschen Pass höchst ungleichmäßig.

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Während sich der Anteil von Schülerinnen und Schülern ohne deutschen Pass in diesem Zeitraum von 5.107 auf 12.760 Schülerinnen und Schülern rapide erhöhte, sank dieser bei den Schülerinnen und Schülern mit deutschem Pass sogar leicht von 2.682 auf 2.471.

Die Gründe dafür dürften darin liegen, dass 2015 das Jahr der Flüchtlingskrise gewesen war, bei dem Deutschland international eine Vorreiterrolle bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien und anderen Bürgerkriegsländern übernommen hatte. Dies führte zu diesem starken Zustrom an Migranten ohne deutschen Pass nach Deutschland, während auf der anderen Seite der Zustrom von deutschstämmigen Aussiedlerfamilien aus Russland nach dem Fall des Eisernen Vorhangs längst abgeebbt war, da dieses historische Ereignis inzwischen mehr als 30 Jahre zurückliegt.

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