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Schullaufbahn in Thüringen

Der Freistaat Thüringen stellt seinen Schülerinnen und Schülern eine breit gefächerte Auswahl an Schularten und Schultypen zur Verfügung. Dies ermöglicht es den Lernenden in Absprache mit den Eltern, sich für eine Schulform zu entscheiden, die den eigenen Begabungen, Fähigkeiten und Neigungen entspricht. Die Durchlässigkeit des Thüringer Schulsystems bietet Schülerinnen und Schülern mit andauernden Entwicklungsschüben stets die Perspektive zum Abitur, selbst wenn der ursprünglich gewählte Schultyp einen solchen Abschluss nicht direkt zulässt. Anders als in den meisten anderen Bundesländern gibt es bereits im Primarbereich Wahlmöglichkeiten, sich für eine bestimmte Schulform zu entscheiden.

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Einschulung

Zwar ist auch in Thüringen die Grundschule für schulpflichtige Kinder die überwiegende Schulart. Allerdings können Erstklässler mit der Gemeinschaftsschule auch in einer anderen staatlichen Schulform beginnen, in der Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur zwölften Klasse gemeinsam unterrichtet werden.

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Darüber hinaus besteht die Aussicht, mit einer Waldorfschule in einer weltanschaulich gebundenen Schule aufgenommen zu werden, die ihren Lehrauftrag nach dem reformpädagogischen Konzept von Rudolf Steiner wahrnimmt. Kinder mit sozialpädagogischem Förderbedarf oder Handicaps können schließlich auf einer Förderschule aufgenommen werden.

Von den im Schuljahr 2020/21 20.240 schulpflichtigen Erstklässlern wurden 18.873 Kinder regulär eingeschult, während es bei 1.367 Kindern zu Zurückstellungen kam. 17.966 Kinder begannen ihre Schullaufbahn in einer Grundschule, 1.787 an einer Gemeinschaftsschule, 155 an einer Waldorfschule und 302 Kinder an einer Förderschule.

In Thüringen werden Kinder eingeschult, die bis zum 1. August des laufenden Schuljahres sechs Jahre alt sind. Eine frühere Einschulung ist für alle Kinder möglich, die am 30. Juni mindestens fünf Jahre alt sind. Rückstellungen können erwogen werden, wenn der Entwicklungsstand des Kindes den erfolgreichen Schulbesuch gefährdet. Die Entscheidung darüber treffen die Eltern gemeinsam mit dem Schularzt oder der Schulärztin und dem Schulleiter oder der Schulleiterin.

Thüringer Schularten und Übertrittsmöglichkeiten

Jede Schulart in Thüringen bietet ein eigenes Schulprofil mit spezifischen Abläufen bis zum Abschluss, damit verschiedene Zielgruppen angesprochen werden können. Während der Schullaufbahn in Thüringen ist der Besuch in folgenden Schularten möglich:

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Thüringer Gemeinschaftsschule

Die Thüringer Gemeinschaftsschule bietet alle Abschlüsse vom Hauptschulabschluss über die mittlere Reife bis hin zum Abitur. Eine Besonderheit ist das gemeinsame Lernen von der ersten bis zur zwölften Klasse. Die Gemeinschaftsschule verfolgt einen inklusiven und integrativen Ansatz. So werden Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Handicaps ebenso integriert und gefördert wie Kinder von Flüchtlingen. Außerdem erfolgen Noten und Versetzungen erst ab der achten Klassenstufe.

Alle Schülerinnen und Schüler lernen gemeinsam mindestens bis zur Klassenstufe 8. So entfällt eine frühzeitige Festlegung auf einen Bildungsgang. Ab Klassenstufe 9 wird abschlussbezogen unterrichtet. Um der ausgeprägten Vielfalt in den Lerngruppen gerecht zu werden, ist eine innere Differenzierung des Unterrichts erforderlich. Die Lehrerinnen und Lehrer der Gemeinschaftsschulen nutzen die Lehrpläne für den Erwerb des Hauptschul- und des Realschulabschlusses und den Lehrplan für den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife.

Die Bildungsgänge sind an der Gemeinschaftsschule durchlässig gestaltet. So kann ein Übertritt an das allgemein bildende Gymnasium nach den Klassenstufen 4 bis 8 und 10 mit Realschulabschluss erfolgen, sofern die Übertrittsbedingungen erfüllt sind.

Grundschule

Mit der Grundschule beginnt für die meisten Thüringer Schulanfängerinnen und Schulanfänger die Schullaufbahn. Kinder besuchen die Grundschule von der ersten bis zur vierten Klasse und wechseln anschließend je nach Leistung auf eine ihnen angemessene weiterführende Schule.

Die Grundschule führt in die Welt des Lernens ein und vermittelt grundlegende Bildungsinhalte. Spätestens mit der dritten Klasse beginnt zudem der Erwerb der ersten Fremdsprache (in der Regel Englisch). Der Einstieg in die Naturwissenschaften wird durch den Sachkundeunterricht geleistet, während der Heimatkundeunterricht und die obligatorischen Lernerfahrungen im Schulgarten die Weichen für ein Verständnis der Natur und Biologie stellen.

Regelschule

Die Regelschule umfasst die Haupt- und Realschule. Regelschüler erwerben mit dem Erfüllen der Versetzungsbestimmungen am Ende der Klassenstufe 9 den Hauptschulabschluss. Er kann wahlweise auch mit einer zentralen Prüfung verbunden werden und heißt dann Qualifizierender Hauptschulabschluss. Der Realschulabschluss am Ende der Klassenstufe 10 ist immer mit einer zentralen Abschlussprüfung verbunden. Die meisten Abgängerinnen und Abgänger wechseln nach der Regelschule auf eine Berufsbildende Schule.

Gymnasium

Das Gymnasium bietet eine theoretisch fundierte Bildung. Angestrebt wird als Schulabschluss das Abitur, das zum Studium befähigt und mit dem sich Abiturientinnen und Abiturienten an einer Universität bewerben können. m Ende der Klassenstufe 10 müssen sich alle Gymnasiastinnen und Gymnasiasten einem zentralen Leistungsnachweis (Besondere Leistungsfeststellung) unterziehen, der die Versetzung in die Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe wesentlich mitbestimmt. Mit Versetzung in Klassenstufe 11 wird eine dem Realschulabschluss gleichwertige Schulbildung (mittlere Reife) bescheinigt.

Die gymnasiale Oberstufe beginnt mit der 10. Klasse im Klassenverband und wird in der 11. und 12. Jahrgangsstufe im Kurssystem fortgeführt. Für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger aus anderen Schulformen, die an ihrer Schule den Realschulabschluss erworben haben, beginnt die gymnasiale Oberstufe im Gymnasium mit der 10. Klasse.

Gesamtschule

Die Gesamtschule hat mit ihrem integrativen Grundkonzept viele Ähnlichkeiten mit der Gemeinschaftsschule und führt wie diese zu allen drei Schulabschlüssen. Allerdings beginnt sie nicht mit der 1., sondern mit der 5. Klasse, und sie führt nach 12 oder 13 Jahren zum Abitur. Die Gesamtschule kann kooperativ oder integrativ geführt werden. In der kooperativen Gesamtschule werden Klassen gebildet, die gezielt zum angestrebten Abschluss führen. In integrativen Gesamtschulen findet der Unterricht im Kurssystem statt.

Förderschule

Die Förderschule bietet Kindern und Jugendlichen mit Handicap oder sonderpädagogischem Förderbedarf eine intensive Betreuung. Sie nimmt besondere Rücksicht auf die Lernschwierigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler und orientiert sich an der Hilfe zur Lebensbewältigung. In Thüringen gibt es Förderschulen mit den Schwerpunkten Hören; Sehen; körperliche und motorische Entwicklung; Sprache; emotionale und soziale Entwicklung; Lernen und geistige Entwicklung. Der Erwerb des Haupt- und Realschulabschlusses ist in Förderschulen möglich.

Berufsbildende Schulen

Die Berufsbildenden Schulen sind nach dem dualen System gestaltet. Theoretischer Fachunterricht findet in den Berufsbildenden Schulen statt, während die Ausbildungsbetriebe den praktischen Teil übernehmen. In Berufsbildenden Schulen werden berufliche Abschlüsse erworben, wobei ein hoher Differenzierungsgrad das System der Berufsbildenden Schulen in Thüringen prägt.

So können Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss in der Berufsschule oder dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss erwerben. Sogar ein dem Realschulabschluss gleichwertiger beruflicher Abschluss ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Jugendliche mit Haupt- oder Realschulabschluss erwerben in der Berufsfachschule einen höheren Berufsfachschulabschluss. Die qualifizierteste berufsbezogene Ausbildung wird in Höheren Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Beruflichen Gymnasien geleistet.

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